Geschichte

Jahresbericht 2015

Ukraine war vorgestern, Griechenland war gestern und Flüchtlingskrise ist heute – jedenfalls wenn man den deutschen Medien glauben wollte. Wie sieht es nun aktuell aus im zweitgrößten Land Europas und speziell in den Unterkarpaten?

Betrachtet man die Entwicklung in der Ukraine, so kann man sagen, das Land ist mit seiner neuen Führung „vom Regen in die Traufe“ gekommen. Von einem dauerhaften Frieden im Osten des Landes kann keine Rede sein. Offenbar ist die Ukraine daran auch nicht wirklich interessiert, sprudelt doch das Geld in Größenordnungen munter aus Richtung Westen wie nie zuvor. Immer wieder flammen die Auseinandersetzungen auf. Erst während meines Aufenthaltes im November in den Unterkarpaten wurde erneut ein junger Mann von dort im Kriegsgebiet schwer verletzt. Nach einer recht kurzen Zeit mit einer Berufsarmee hat die Ukraine die Wehrpflicht wieder eingeführt und junge Männer müssen nun erneut Grundwehrdienst leisten. Die Regierung hat versprochen, dass nach sechs Einberufungswellen in diesem Jahr keine weitere mehr folgen soll. „Die Älteren können nun etwas ruhiger schlafen.“ – hörte ich. Aber man traut dem „Frieden“ nicht. Wenn das ohnehin kleine Vertrauen, dass man in die Regierung hatte, erst einmal verspielt ist, dauert es eine lange Zeit, bis es wieder aufgebaut ist.

Der Kurs hat sich stabilisiert und liegt ähnlich dem zum Halbjahr. In den Unterkarpaten bekam man im November für 1 Euro rund 26 Griven. Aber auch die Preise haben ihr hohes Niveau behalten. Damit liegt der Durchschnittslohn bei rund 45 Euro, vorausgesetzt man hat ein festes Einkommen.

Seit diesem Jahr gibt es eine grundlegend neue Situation in den Unterkarpaten.

Durch die wirtschaftliche Krise und aus Angst vor dem Krieg haben viele, vor allem junge Leute und Familien ihre Heimat verlassen und sind zum Arbeiten hauptsächlich nach Ungarn gegangen. Nicht alle werden dort glücklich, aber sie überleben. Ungarn hat viele Flüchtlinge aus der Ukraine aufgenommen, aber darüber hört man in deutschen Medien nichts.

Ein echtes Problem und eine große Herausforderung ist diese Abwanderung auch für die Reformierte Kirche. Es fehlen die Ehrenamtlichen in den Gemeinden, der Diakonie und Behindertenarbeit, aber auch in der Feuerwehr Dercen. Das kann nur zu einem kleinen Teil durch bezahlte Kräfte ausgeglichen werden, aber das heißt auch, dass man dafür Geld braucht.

Geradezu katastrophal sind die Auswirkungen auf das soziale Gefüge. Arme, Alte und Kranke wurden bisher von den Jungen im Familienverband versorgt und gepflegt. Pflegedienste und Ähnliches gibt es nicht. Durch das Verlassen der Heimat ist dieses soziale Gefüge auseinandergebrochen.

Auch einigen deutschen Politikern beginnt langsam zu dämmern, dass das Wichtigste die Unterstützung ist, damit Menschen in ihrer Heimat bleiben. Wir versuchen das mit unseren vergleichsweise bescheidenen Mitteln schon immer.

Die regionale Presse schrieb in diesen Tagen in einem Artikel über unseren Hilfsverein: „Der Verein praktiziert seit Jahren das, was angesichts der aktuellen Flüchtlingsströme generell gefordert wird, nämlich die Verbesserung der Lebensverhältnisse in einem Land, das junge Menschen angesichts eines fast schon vergessenen Krieges und eines oft von Armut geprägten Lebens scharenweise verlassen.“

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Lassen Sie mich nun einige konkrete Dinge aus unserer Arbeit berichten.

Hilfstransporte

Die letzte Hilfssendung in diesem Jahr wird in diesen Tagen das Vogtland in Richtung Unterkarpaten verlassen. Pflegebetten, Erwachsenen-Windeln, Fahrräder, verschiedene Materialien für eine Zahnarztpraxis und für die Feuerwehr in Dercen waren auch in diesem Jahr u. A. unter den transportierten Sachen.

Weihnachtspäckchenaktion

Schon zum jetzigen Zeitpunkt zeichnet sich wieder eine tolle Spendensumme ab. Durch die anhaltend hohe Unterstützung unserer Aktion „Weihnachtsfreude“ werden wir in diesem Jahr drei weitere Orte in den Unterkarpaten in den Empfängerkreis der Päckchen einbeziehen. Auch wenn genaue Zahlen verständlicherweise noch nicht vorliegen, so gehen wir dennoch davon aus, dass sich in diesem Jahr mehr als 5000 Kinder in den Unterkarpaten riesig über ihr ganz persönliches Weihnachtsgeschenk freuen werden. Wir staunen voller Dankbarkeit über die stetig wachsende Zahl von großen und kleinen „Helfern“. Ja, es bewahrheitet sich: Gutes tun ist leichter, wenn viele helfen und gemeinsam aktiv werden. Sie bringen Unglaubliches zustande und bescheren damit Augenblicke voller Freude, in denen die Sorgen des Alltags vergessen werden, die auch vor den Kinderherzen nicht Halt machen. Die kriegerischen Auseinandersetzungen im Osten der Ukraine mit all ihren Folgen dauern nun schon über ein Jahr und eine dauerhaft friedliche Lösung ist nicht in Sicht.

Auch behinderte Kinder und Jugendliche freuen sich über eine Weihnachtsüberraschung

 

Wir danken allen sehr herzlich, die für die Weihnachtsaktion spenden und beten.

Persönliches

Bischof Sándor Zán und seine Frau freuen sich über die Geburt ihres Sohnes Márton (= Martin) am 21. August 2015, zu der wir herzlich gratulieren.

Projekte und Unterstützungen

Auch wenn die Arbeiten am Ausbau des Rehabilitationszentrums „Vergissmeinnicht“ für behinderte Kinder in Vári aus den oben genannten Gründen langsamer voran geht, so gibt es dennoch Positives zu berichten.

Auch Dank Ihrer Spenden konnte 2015 das Hauptgebäude außen fertiggestellt werden, einschließlich Anbau einer überdachten Terrasse. Auch eine überdachte Möglichkeit zur Holzlagerung wurde gebaut. Damit steht für die Heizung trockenes Holz zur Verfügung. Die Bauarbeiten am Nebengebäude, in dem zukünftig Küche und Speisesaal untergebracht sein werden, gehen auch voran. Das Dach ist im Prinzip fertig. Solange es die Witterungsverhältnisse zulassen, wollen die Verantwortlichen bei den Außenarbeiten vorwärts kommen, um sich dann im Winter mit dem Innenausbau zu beschäftigen. Ziel ist es, den behinderten Kindern und ihren begleitenden Eltern einmal dort täglich ein warmes Essen anbieten zu können.

Auf dem Gelände des Reha-Zentrums werden bereits Ziegen gehalten. Zukünftig ist auch an Hühner und Gänse gedacht. Sie sollen der Versorgung dienen. In einem Teil der Einrichtung, der sich nicht für den Getreideanbau eignet, sollen Apfel- und Walnussbäume angepflanzt werden. Lebensmittel-Spenden für besonders arme Familien der Behinderten aus „eigener Produktion“ sind noch „Zukunftsmusik“, genauso wie eine kleine Behindertenwerkstatt, aber mit Ihrer Hilfe kommen wir diesem Ziel näher.

Fertige Außenansicht des HauptgebäudesRückseite mit überdachter TerrasseMöglichkeit zur Holzlagerung (links) und Gebäude für Speisesaal und Küche (rechts)

 

Sehr eindrücklich für mich war die Aussage von Bischof Sándor Zán, dass sich die Preise für Baumaterial seit Beginn der Arbeiten vor wenigen Jahren verdoppelt haben. Sie befanden sich damals schon etwa auf deutschem Niveau.

Wir freuen uns über jede Spende für den weiteren Ausbau des Rehabilitationszentrums.

Überweisungen bitte mit dem Kennwort: BEHINDERTE

Auf Bitten von Bischof Sándor Zán haben wir mehrere Studenten unterstützt, die aufgrund finanzieller Probleme insbesondere wegen des Krieges und seiner Folgen ihr Studium nicht mehr fortsetzen konnten.

Ebenfalls um Unterstützung sind wir kürzlich für den Zigeuner-Kindergarten in Vári gebeten worden. Dort soll im nächsten Jahr das Außengelände u. A. mit Spielgeräten ausgestattet werden.

Eine große Hilfe ist auch ein Holzspalter. Mit dieser Vorrichtung können größere Holzstücke in ofengerechtes Brennholz zerkleinert werden. Damit wird es möglich, Alten und Kranken, die oft auch Essen aus der Armenküche erhalten, Brennholz zur Verfügung zu stellen. Auch für das Reha-Zentrum in Vári wird die Holzzerkleinerung damit viel einfacher.

Bestaunen des Holzspalters nach dem Ausladen in der Ukraine Anfang Dezember 2015

Herzlichen Dank, dass Sie das alles durch Ihre Hilfe und Unterstützung möglich machen.

 

* * * * * * * * * * * * *

 

Ganz herzlichen Dank für alle Ihre Unterstützung, für Ihr Interesse, Ihre Mitarbeit und Engagement, für Ihre Gebete und Ihre Spenden in diesem zu Ende gehenden Jahr 2015.

Wir dürfen dadurch ein großes Maß an Dankbarkeit und Liebe weitergeben und den Menschen in den Unterkarpaten immer wieder kleine und große Zeichen der Hoffnung und Verbundenheit schenken.

Herzlichen Dank, dass Sie uns so treu verbunden sind. Wir staunen darüber, dass Gott immer wieder Menschenherzen bewegt und zum Helfen bereit macht.
Besonders dankbar sind wir für alle Bewahrung auf den Reisen.

Auch im neuen Jahr 2016 brauchen wir Sie und Ihre Hilfe und bitten sehr herzlich um Ihre Unterstützung. Es wäre schön, wenn die notleidenden Menschen in den Unterkarpaten Ihnen weiterhin Herzenssache sind.

Und bitte machen Sie die Arbeit und Projekte des Hilfsvereins Unterkarpaten auch unter Ihren Verwandten, in Ihrem Bekannten- und Freundeskreis, bei Ihren Arbeitskollegen und Mitschülern sowie in Gemeindekreisen und Vereinen bekannt. Wir freuen uns auf Ihre Ideen und Aktivitäten.

Unsere Partner in den Unterkarpaten und wir wünschen Ihnen und Ihren Familien eine besinnliche Adventszeit, ein frohmachendes Weihnachtsfest sowie Gottes Segen für das neue Jahr!