Geschichte

Halbjahresbericht 2014

Wer hätte geahnt, dass sich seit meinem letzten Bericht innerhalb eines halben Jahres in der Ukraine soviel verändert und das Land heute nahezu täglich im Brennpunkt der Weltöffentlichkeit steht.

Neben einigen Informationen zur Lage will ich Ihnen aber auch Neues von unseren Hilfen und Projekten berichten.

Situation vor Ort

Kaum einer hätte es für möglich gehalten, dass Russland es zur Wahl eines neuen Präsidenten in der Ukraine kommen lässt. Aber nun ist seit dem 25. Mai 2014 der wegen der u. A. in seinem Besitz befindlichen Süßwarenfabrik “Roshen” auch “Schokoladenkönig” genannte Petro Poroschenko neuer erster Mann in der Ukraine. Mit seiner Person verbinden sich kleine und große Hoffnungen vieler Menschen in dem krisengeschüttelten Land. An erster Stelle steht die Befriedung der Auseinandersetzungen in der Ostukraine. Am 16. Juni 2014 wurde der erst 19-jährige Roland Popovics in seiner Heimatstadt Beregszász/Unterkarpaten beerdigt, der bei den Kämpfen im Osten des Landes ums Leben kam.
Ob und wann sich die Lebenssituation der Menschen im Alltag spürbar verbessert ist ungewiss, denn Wunder geschehen selten über Nacht. Aber es gibt positive Anzeichen, auch durch das Zugehen von Poroschenko auf die Kirchen.

Die Menschen leiden sehr unter den sich dramatisch verschlechternden Lebensbedingungen. Für manche ist das Ende der Leidensfähigkeit auch bereits erreicht und wer kann, wandert aus. Anfang des Jahres wurde die ukrainische Währung deutlich abgewertet. Tauschte ich im November noch 1 Euro für rund 11 Griven, so bekam ich im April schon 16 Griven. Nahezu zeitgleich erfolgte die Anpassung der allermeisten Preise. Nur die Einkommen blieben konstant. Schon durch die Abwertung der Landeswährung verloren die Menschen mehr oder weniger viel. Durch die Preiserhöhungen werden sie erneut hart getroffen. So sind beispielsweise Arzneimittel heute ca. 60 % teurer als im Vorjahr. Auch Lebensmittel kosten mehr, wenn auch nicht soviel. Die gestiegenen Spritpreise machen den Leuten ebenso zu schaffen. In den überwiegend ländlich geprägten Unterkarpaten bewirtschaften Viele ihre Felder und sind Selbstversorger. Wegen der hohen Diesel-Preise konnten sie ihre Äcker nur zum Teil oder gar nicht bestellen. Eine Tatsache, die sich bei den betroffenen Familien aber erst im Herbst und kommenden Winter traurig bemerkbar machen wird.
Allein aus dem Dorf Vári waren 170 Männer über die Jahre als Saisonarbeiter in Russland tätig. Mit ihrer Arbeit verloren sie auch das Einkommen für ihre Familien. Und Vári ist kein Einzelfall!
Dramatisch ist ebenfalls die Situation in den Familien der eingezogenen Männer. Neben der Sorge um das Leben der Ehemänner, Söhne und Väter ist es auch die Sorge um das Überleben der Familie, denn die jetzigen Soldaten haben keinen Verdienst und waren in der Regel die einzigen Ernährer für Frau und Kinder.

Manche Hilfsorganisationen und einzelne Spender aus dem Westen haben ihre Unterstützung wegen der ungewissen Lage in der Ukraine eingeschränkt. Aus unserer Sicht gibt es keinen Grund dazu. Im Gegenteil! Wir wollen und werden unsere Hilfe fortsetzen.

Hilfstransporte

Drei, zum Teil umfangreiche Transporte mit Hilfsgütern wurden im ersten Halbjahr durchgeführt und dabei u. A. eine komplette größere Heizungsanlage, mehrere Pflegebetten und auch wieder Erwachsenen-Windeln transportiert.

Projekte und Unterstützungen

Das Rehabilitationszentrum “Alte Mühle”, oder “Vergissmeinnicht”, wie es zukünftig offiziell heißen soll, hat den Probebetrieb aufgenommen. Erste Behandlungen finden dort statt. Aber auch hier macht sich die allgemeine Situation bemerkbar. Einzelne Familien können ihre behinderten Kinder aus finanziellen Gründen nicht mehr oder nicht mehr so oft zur Behandlung bringen.
Während bei der Grundstücksfrage noch keine nennenswerten Fortschritte zu verzeichnen sind, hat der Ausbau der Gästezimmer begonnen. Dort sind die Wände fertig und die Isolierung eingebracht. Als nächste Schritte sollen Fußboden, Türen und Sanitärausstattung folgen. Im Außenbereich wurden Hecken, Johannisbeersträucher und Pfirsichbäume gepflanzt.
Die ersten Vorarbeiten für den zweiten Bauabschnitt sind ebenfalls erledigt. Dazu wurde in dem größeren Gebäudeteil sämtliche alte Mühlentechnik entfernt. Geplant ist für dieses Jahr, dort das Dach zu erneuern.
Ab Anfang Juli wird eine ukrainische Firma mit dem Einbau des Beckens für die Unterwasserbehandlung beginnen. Die Kosten für das Bassin und die dazugehörige Technik sind mit rund 5.000 Euro veranschlagt.
Auch brandschutztechnische Auflagen sind zu erfüllen und bedingen weitere finanzielle Mittel. Diese Vorhaben können nur sehr bedingt mit Eigenleistungen realisiert werden. Weitere Spenden sind nötig.
Überweisungen für dieses wichtige Projekt bitte mit dem Kennwort: Behinderte


Rehabilitationszentrum “Vergissmeinnicht” im April 2014 
Haupteingang
Blick in einen Behandlungsraum 
alte Mühlentechnik

 

Die Behandlung Józsefs in Ungarn läuft sehr erfolgreich und kann eine Alternative zur Spezialklinik im ukrainischen Truskavec sein. Im Sommer möchte die Familie mit József wegen dessen Beinstellung noch einen Orthopädie-Spezialisten im ungarischen Pécs konsultieren.
Spenden für die Finanzierung seiner weiteren Behandlungen bitte mit dem Hinweis: Josef

Das neue Kinderzimmer nach der Wohnraumerweiterung bei Familie Gyurkó


Im April besuchten wir auch Familie Gyurkó und Alexandra, das “neue” Kind der Familie. Wie wir in unserem letzten Informationsbrief vom Dezember 2013 berichtet haben, sollte das Kinderheim in Bene aufgelöst und Alexandra von Familie Gyurko adoptiert werden. Wie ist der aktuelle Stand, wollten wir jetzt wissen. Wir erfuhren: Das Kinderheim in Bene wurde geschlossen. Frau Gyurko erhielt nach einer gerichtlichen Entscheidung das Sorgerecht für Alexandra. Eine Adoption konnte nicht erfolgen, weil es die leibliche Mutter von Alexandra noch gibt. Die Baumaßnahmen für die geforderte Wohnraumerweiterung sind abgeschlossen.

Der kleine Noel Fábián aus Karácsfalva ist seit Geburt gehörlos und konnte demzufolge auch nicht reden. Nach der Diagnose wurden verschiedene Behandlungsmöglichkeiten diskutiert und letztlich alle wieder verworfen. In zwei mehrstündigen Operationen wurde ihm dann jeweils ein Implantat eingesetzt.
Nun besucht er regelmäßig eine Therapieeinrichtung in Ungarn, um den Rückstand in der sprachlichen Entwicklung aufzuholen. Eine finanzielle Unterstützung des Vereins hilft dabei.

Um Hilfe gebeten wurden wir auch für Familie Léhán. Die Familie hat zwei Kinder. Den kleinen Sohn Lászlo, der Autist ist, kennen manche Vereinsmitglieder von der Behindertenarbeit. Lászlo kann nicht allein gelassen werden. Der Vater arbeitet als Gelegenheitsarbeiter, kann damit aber seine Familie nicht ernähren. Damit die Mutter eine Möglichkeit hat, zuhause etwas Geld zu verdienen, möchte Familie Léhán hinter ihrem Haus mit Gurkenanbau beginnen. Im Dorf gibt es dafür eine Aufkaufstelle eines Konservenbetriebes. Normalerweise unterstützt ein holländischer Verein landwirtschaftliche Kleinprojekte wie dieses mit Krediten. Ein solcher war auch beantragt. Jedoch geben sie in diesem Jahr keine Kredite aus, wohl wegen der unsicheren Lage in der Ukraine. Auf Bitten von Bischof Sándor Zán Fábián sind wir eingesprungen und haben für Familie Léhán den Gurkenanbau noch in diesem Jahr ermöglicht.

Der kleine Lászlo (Autist)
So änlich wird der Gurkenanbau bei Familie Lehan aussehen, vorerst aber ohne Foliendach


Für heute grüßen wir Sie herzlich aus Lengenfeld und wünschen Ihnen eine schöne Sommer- und Urlaubszeit und gute Erholung. Möge Gottes Segen Sie begleiten!