Die Unterkarpaten

  • Das Gebiet Unterkarpaten (ungar. Kárpátalja; ukrain. Sakarpatija) liegt im Südwesten der Ukraine zwischen den Karpaten und der ungarischen Grenze. Gelegentlich wird diese Region auch als Transkarpatien oder Karpato-Ukraine bezeichnet.
  • Gebietshauptstadt ist Ungvár/Ushgorod nahe der slowakischen Grenze.
  • In den Unterkarpaten befindet sich der Mittelpunkt Europas.
  • Größter Fluss ist die Tisza (Theiss), die in den Karpaten entspringt und weiter nach Ungarn fließt.
  • Fläche der Unterkarpaten 12.900 qkm (Sachsen: 18.300 qkm) – also knapp 3/4 so groß wie der Freistaat Sachsen
  • Einwohner (lt. letzter ukainischer Volkszählung Dez. 2001) ca. 1,3 Mio. (vgl. Sachsen ca. 4,8 Mio. EW)
  • Anteil der Bevölkerung 20% Ungarn (ca. 220.000), 65% Ruthenen, 15% Russen und Ukrainer.
  • Von daher sind die gängigsten Sprachen Ungarisch, Russisch und Ukrainisch. Zunehmend gibt es Englisch- und Deutschkenntnisse aus dem Schulunterricht.
  • Vom früher bedeutenden Anteil jüdischer Bevölkerung ist so gut wie nichts mehr übrig geblieben.

Mittelpunkt EuropasTheissJüdischer Friedhof

  

Geschichte

Das Gebiet Unterkarpaten gehörte rund 1000 Jahre lang bis zum Ende des 1. Weltkrieges zu Ungarn und wurde im Ergebnis damaliger Friedensverträge der 1918 gebildeten Tschechoslowakei zugesprochen. Während des 2. Weltkrieges gehörte es überwiegend für kurze Zeit wieder zu Ungarn. Geheimverhandlungen zwischen Stalin und dem Präsidenten der Tschechoslowakei Benes zufolge wurde das Gebiet der Sowjetunion angegliedert.

Militärisch war es für die Sowjetunion sehr wichtig als Vorposten jenseits der Karpaten zur “Überwachung” der sozialistischen Bruderländer. Beginnend ab 1947 wurden nach und nach alle männlichen Ungarn im Alter von 18 - 50 Jahren in sowjetische Lager deportiert (insgesamt ca. 40.000 Männer), von denen ein Großteil nicht nach Hause zurückkehrte. Seit dem Zerfall der Sowjetunion gehört das Gebiet Unterkarpaten zur Ukraine.

Verecke-Pass: Ungarn kamen vor mehr als 1000 Jahren unter Árpád in das KarpatenbeckenMahnmal in Szolyva für die Deportierten in sowjetische Lager

 

Wirtschaftliche und soziale Lage

Den Menschen ging es in sowjetischer Zeit durch den starken Rubel relativ gut und sie konnten einen bescheidenen Wohlstand aufbauen. Nach Gründung des Staates Ukraine verloren die meisten Menschen durch eine Geldabwertung über Nacht ihre Ersparnisse und waren bettelarm. Oft reichte es gerade, um noch ein Brot zu kaufen.
Fortdauernde Verarmung und zunehmende Einkommensunterschiede sind die Wurzel für Pessimismus und Hoffnungslosigkeit. Westlichen Einschätzungen zufolge sind 75 % der Bevölkerung in der Ukraine “sehr arm” und nur 1,5% “sehr reich”. Der tägliche Kampf ums Überleben ist für sehr viele harte Realität geworden.

Im Gebiet Unterkarpaten sind ca. 80% der Menschen arbeitslos. Eine soziale Absicherung gibt es im Prinzip nicht. Der Arbeitslohn lag je nach Beruf bei durchschnittlich 80 – 100 €/Monat. Eine durchschnittliche Rente betrug 60 - 65 €. Aktuell hat sich die Lebenssituation der Menschen dramatisch verschlechtert. Durch die drastische Abwertung der ukrainischen Währung infolge des Krieges im Osten des Landes müssen sie heute mit rund 40 Euro im Monat auskommen, Rentner mit 30 Euro. 

 

Das Gebiet Unterkarpaten gehört damit sicher zu den ärmsten Regionen Mitteleuropas!